Gras Anbau Beleuchtung: Die richtige Lichtwahl

Gras Anbau Beleuchtung: Die richtige Lichtwahl kann eine ernsthafte Herausforderung werden. Was muss beachtet werden, um optimales Licht zu haben?

1. Welche Lampen können/sollten verwendet werden?

Die eiserne Grundregel für den Anbau lautet: Blaues Licht im Wachstum und rotes Licht in der Blüte. So simuliert man den Pflanzen den natürlichen Kreislauf der Jahreszeiten (Frühling bis Herbst), wo sich das Farbspektrum des Tageslichts – bedingt durch Entfernung und Aufprallwinkel der Sonnenstrahlen – auch vom blauen ins rote Spektrum verändert. Des weiteren benötigen die Mädels einen Mindestlichtstrom pro qm von 15.000 Lumen im Wachstum und 30.000 Lumen in der Blüte. Optimal ist jedoch wenn man ihnen das 1,5- bis 2-fache dieser Werte zur Verfügung stellt.

Zur Verwendung in der ambitionierten Hanfzucht kommen daher nur drei Arten von Lampen in Betracht:

1.1. Natriumdampflampe (NDL / engl. HPS – HighPressureSodium)

Die NDL ist optimal für die Blütephase geeignet, da sie das in der Blüte benötigte rote Lichtspektrum abdeckt. Wenn nötig kann sie aber auch schon während der Wachstumsphase eingesetzt werden, da ihr Licht – wenn auch in geringem Maße – über Blauanteile verfügt. Aufgrund der hohen Temperaturentwicklung sollte jedoch gerade zu noch jungen Pflanzen ein Abstand von mind. 40 – 50 cm eingehalten werden (Ausnahme: Cool-Tube). Die NDL benötigt zum Betrieb eine Vorschaltarmatur (VSA) die ebenfalls zur Wärmeentwicklung beiträgt und daher bei Growschränken möglichst außerhalb angebracht werden sollte.

Gebräuchlich für die Hanfzucht sind folgende Leistungsstärken: 250 W, 400 W, 600 W und 1.000 W. Den eigenen Bedarf errechnet man nach der Faustformel 400 W pro qm. Die Lebensdauer wird meist um die 10.000 Betriebsstunden angegeben. Falls man die NDL auch während der Wachstumsphase einsetzen möchte, sollte man sich direkt ein Leuchtmittel mit erhöhtem Blauanteil zulegen. Komplette Bausätze inkl. VSA und Reflektor erhält man ab 55,- EUR im Fachhandel.

1.2. Metall-Halogen-Dampflampe (MHDL / engl. MH – Metal Halide)

Die MHDL ist aufgrund des hohen Blauanteils in ihrem Lichtspektrum besonders für die Wachstumsphase geeignet. Da ihr Rotanteil sehr gering ist, ist sie für die Blüte nicht zu empfehlen. Auch sie gibt starke Wärme ab und sollte daher ebenfalls mit 40-60 cm Abstand zu den Pflanzen angebracht werden. Wie die NDL benötigt sie eine VSA. In der Hanfzucht kommt sie i.d.R. mit 250 W oder 400 W zum Einsatz. Bausätze sind ab 80,- EUR im Fachhandel erhältlich . ACHTUNG: MH-Leuchtmittel können i.d.R. nicht mit einer NDL-VSA betrieben werden. Ausnahme: Die “Venture Sunmaster” – ein MH-Leuchtmittel, das speziell für den Einsatz mit NDL-VSAs entwickelt wurde.

Sowohl NDL- als auch MH-Leuchtmittel dürfen nicht mit bloßen Fingern angefasst werden! Verwendet Handschuhe, ein Tuch oder notfalls Socken. Das Fett auf Euren Fingern könnte sonst die Leuchte zerstören.

1.3. Leuchtstoffröhren (LSR / engl. Fluorescents)

Für unsere Zwecke eignen sich LSRs insbesondere in der Wuchsphase, da sie kaum Wärme erzeugen und so bis zu 1 cm an die Jungpflanzen herangebracht werden können, ohne diese zu schädigen. Da sie jedoch mit verschiedenen Farbspektren erhältlich sind, können sie – wenn man die Erwartungen an die Ernte ein wenig runterschraubt – auch in der Blüte eingesetzt werden. LSRs sind erhältlich in Längen von 60 cm und 120 cm und werden vom gemeinen Hanfbauern meist mit 18 W oder 36 W gewählt. Sie sind jedoch auch in weiteren Leistungsstufen erhältlich, nämlich 10 W, 15 W, 16 W, 30 W und 58 W, wobei hierbei die Fassungen ggfs. teurer ausfallen könnten. Ihre Lebensdauer beträgt bis zu 20.000 Betriebsstunden.

Zu beachten ist, dass man sich auf jeden Fall Dreibandröhren besorgen sollte – diese erkennt man an der 8 in der Typenkennzeichnung – und für unseren besonderen Zweck kommen die Typen 830 (Warmwhite / mehr Rotanteil), 840 (Coolwhite) und 860/865 (Daylight / mehr Blauanteil) zum Einsatz, wobei die 840er vernachlässigt werden kann.

Die Zahl hinter der 8 gibt dabei die Farbtemperatur in Hundert Kelvin an, d.h. 830 = 3.000 Kelvin, 860 = 6.000 Kelvin, usw. Der Bedarf an LSRs wird i.d.R. nach der Faustformel 144 W pro qm errechnet, wobei man möglichst eine gerade Zahl an LSRs einsetzen sollte. Da es für LSRs nämlich Doppelfassungen gibt, die mit einer integrierten VSA zwei Lampen betreiben, kann man so ein wenig Strom sparen.

Während des Wuchses sind die 860er/865er Röhren einzusetzen, wobei bei Wunsch auch 830er Warmwhite dazugehängt werden können um das Farbspektrum zu komplettieren. Das Verhältnis sollte dabei aber höchstens 1/3 830 und 2/3 860/865 betragen.

Falls man auch die Blüte mit LSRs bewältigen möchte, muss man umgekehrt mehr 830er Warmwhite verwenden und kann zur Abrundung noch wenige 860er/865er dazuhängen (umgekehrtes Verhältnis von oben). Einzelfassungen inkl. unbrauchbarer LSR sind ab 5,- EUR je Stück im Baumarkt erhältlich – die o.g. richtigen LSRs findet ihr meist in den Baumärkten oder im Growshop.

1.4. Welche Kombinationsmöglichkeiten habe ich?

Mit den o.g. drei Lampen haben wir drei verschiedene Kombinationsmöglichkeiten, die eine erfolgreiche Zucht versprechen:

  • Wachstum LSR od. MHDL + Blüte NDL = Hoher Ertrag
  • Wachstum NDL + Blüte NDL = Mittlerer bis hoher Ertrag
  • Wachstum LSR + Blüte LSR = Niedriger bis mittlerer Ertrag

2. Was tun, wenn NDL oder MHDL den Schrank überhitzen?

Probleme mit zu hoher Temperatur treten besonders in der warmen Jahreszeit auf, aber natürlich auch, wenn zu starke Leuchten in zu kleine Schränke/Räume gepackt werden. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten die Temperaturen für die Pflanzen wieder angenehmer zu gestalten:

2.1. Cooltube

Die Cooltube ist vereinfacht gesagt eine Glasröhre die über das Leuchtmittel gestülpt wird. Sie besteht aus einem speziellen Glas, dass das für die Pflanzen benötigte Lichtspektrum optimal durchlässt. Des weiteren verfügt sie über einen Anschluss für einen Luftschlauch, der dann wiederum am anderen Ende durch ein T-Stück mit der Abluftanlage verbunden werden kann. Somit wird die von der Leuchte erhitzte Luft direkt abgesaugt und aus dem Schrank/Raum geblasen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man dadurch natürlich auch wesentlich näher an die Pflanzen ran kann – und die freuen sich darüber! Cooltubes sind allerdings recht teuer, so ab 99,- EUR im Fachhandel. Im HB-Forum gibt es aber glaube ich auch einen Thread zum Cooltube selber bauen.

2.2. Leistungsstärkeres Abluft-/Zuluftsystem

Damit mehr kühle Luft nachgezogen und die warme Luft schnell abtransportiert werden kann.

2.3. Beleuchtung möglichst auf die Nacht legen

niedrigere Aussen- bzw. Raumtemperatur = mehr Kühlung durch die nachströmende Luft

3. Was kostet mich der Strom für die Beleuchtung?

Eure Stromkosten könnt Ihr ganz einfach selbst berechnen, indem Ihr Euch zunächst bei Eurem Stromanbieter (bspw. im Internet) nach dem Strompreis pro Kilowattstunde (kWh) erkundigt. Danach zählt Ihr zur Wattzahl bei NDL od. MHDL ca. 40-50 Watt und bei LSRs 10-20 Watt für die VSA dazu und rechnet anhand folgender Formel:

[[Beleuchtungsdauer x Gesamtzahl Watt x Anzahl Tage] / 1000] x Strompreis pro kWh = Kosten (Wachstum od. Blüte)

Bedenkt dabei, dass Ihr den Wert für Wachstum und Blüte (18 Std. und 12 Std. Beleuchtung) einzeln berechnet und erst danach zusammenzählt. Anhand dieser Formel kann sich auch jeder selbst ableiten, wie er seine Gesamtstromkosten, also inkl. Ventilatoren, Relais & Co. ausrechnet.

4. Welche Lampen eignen sich nicht?

UV-Licht, Schwarzlicht, kompakte Energiesparlampen (zu niedrige Lichtausbeute bei zu hohem Preis), normale Glühlampen jeglicher Art, Halogenglühlampen, Natriumdampfniederdruck-Lampen (kein Farbspektrum), LEDs (bisher nicht – hier steckt imo aber noch einiges Potenzial für die Zukunft)

5. Wo kann ich noch mehr erfahren?

http://www.osram.de – Sehr informative Seite. Lichtlexikon unter “Lichtplanung” erklärt alles rund um Beleuchtung, Fachbegriffe und lichttechnische Formeln.

http://www.cannagrow.de/catguide/bhg/mlamp.html – Infos zu Hanfbeleuchtung und Tipps für deren Anbringung

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